3/2002
![]() |
In der imposanten "Neuen Messe Leipzig" fanden unter anderem die Turnwettkämpfe statt. |
Der Weg nach Leipzig war ein weiter, ein beschwerlicher, aber ein wirklich sehr lohnender. Um beim Festzug teilnehmen zu können, welcher das Turnfest quasi einleitete, reisten wir am Samstag schon um 7:00 Uhr von daheim ab. Die meisten von uns schafften es dann auch rechtzeitig bis nach Leipzig. Die Füchse, welche mit Wohnwagen unterwegs waren, benötigten für die Bewältigung der Strecke etwas mehr Zeit, ließen Martin am Stadtrand raus, weil er den Festzug unter keinen Umständen versäumen wollte. Beim Festzug herrschte ausgelassene Stimmung, obschon es zu geringen Verzögerungen kam, da wesentlich mehr Leute (insgesamt ca. 50.000) als ursprünglich geplant an diesem Spektakel teilnahmen, für das extra die gesamte Innenstadt für den Verkehr gesperrt wurde. Der Rest der Füchse richtete sich einstweilen in unserem Quartier der Schule ein und knüpfte den ersten Kontakt mit dem Schulwart.
Den Abend verbrachten wir bei der Hauptbühne am Augustusplatz, wo wir zwar die Eröffnungsfeier versäumten, jedoch noch rechtzeitig zur anschließenden "Party" kamen, wo zwar nicht unbedingt Musik nach unserem Geschmack gespielt wurde, die Stimmung jedoch turnfestmäßig war, was sich auch bei der anschließenden Fahrt zum Quartier (das sich ca. eine halbe Stunde außerhalb des Stadtzentrums befand) bemerkbar machte: Ein typisches Turnfestphänomen fand statt - beginnt man in der Straßenbahn allgemein bekannte Lieder zu singen, stimmen gleich fast alle Fahrgäste mit ein und freuen sich.
Ausklingen ließen wir den Abend bei gemütlichem Zusammensein vor der Garage des Schulwartes, der uns allabendlich mit Gegrilltem und Getränken umsorgte. Das war der Beginn einer Woche mit verhältnismäßig wenig Schlaf.
Der Sonntag begann für die Spielleute gleich mit dem ersten Bewerb - der Marschwertung. Da durften wir unser Können auf einem Sportplatz vor reichlichem Publikum (wir waren die einzigen Gäste, die bei der Marschwertung teilnahmen und es kamen einige Österreicher, um uns durch Anfeuerungsrufe zu unterstützen) zeigen durften. Es war sozusagen ein voller Erfolg und ein "Spass" obendrein. Zwischendurch gabīs eine Probe für den Auftritt am Montag, danach ging es in die Stadt, ins Getümmel. Ein Teil der Klosterneuburger Delegation gab einstweilen beim Volleyball den gesamten Sonntag und auch am darauffolgenden Montag ihr Bestes. Die Organisation durch das Turnfestkomitee verdient großes Lob. Bei "Volleyball Amateure männlich über 18" waren zwar nicht derart viele Mannschaften gemeldet, hätten wir jedoch im Beach - Volleyball eine Mannschaft gestellt, wären wir gegen ca. 1200 andere Mannschaften angetreten. Das als Anmerkung, um deutlich zu machen, wie monumental so ein Turnfest ist. Angeblich soll es die größte Sportveranstaltung der Welt sein.
Der Abend wurde zuerst bei einem gemeinsamen gemütlichen Nachtmahl in einem bodenständigen Wirtshaus begonnen, begleitet durch Live - Musik (einer Drehorgel), wo wir so manches Lied begeistert mitträllerten. Danach gingīs, wie so oft in dieser Woche auf den Augustusplatz auf ein kleines Tänzchen mit Tausenden anderen, Einen Teil von unserer Gemeinschaft zog es zum Quartier, wo der Abend bei geselligem Zusammensitzen und Plaudern, auch mit anderen Vereinen, endete.
Am Montag war das Wertungsmusizieren, die Bühnenwertung für die Magyar - Geschwister, welche ein barockes Flötenduett darbrachten, durchaus sehr gut. Das werte Kampfgericht sah das auch so und vergab ebendiese Note. Von uns erntete das talentierte Geschwisterpaar ausgiebigen Applaus. Danach gaben wir, gemeinsam mit dem Mariahilfer Spielmannszug und Unterstützung auch von Musikantenkollegen aus der Steiermark, ein Konzert auf der Hauptbühne, vor der sich am Vorabend noch ca. 40.000 begeisterte Turnfestteilnehmer vor Begeisterung die Lungen aus dem Leib geschrien hatten . Auch wenn bei unserem Konzert nicht so viel Auditorium wie am Vorabend den Klängen lauschte, war es dennoch ein Erfolg. Wir blieben nach unserem Auftritt noch ein wenig bei der Bühne, um den nachfolgenden Künstlern zuzusehen und um uns danach, quasi als Belohnung und zur Erholung auf einen Kaffee in die Konditorei Lukas zu begeben, der, wie so manche Leipziger Gastronomiebetrieb für österreichische Verhältnisse verhältnismäßig preiswert ist. So zahlt man z. B. für eine Tasse Filterkaffee sagenhafte 90 Cent.
Am Nachmittag wohnten wir dem Spektakel eines Großkonzertes des Spielmanszuges des DTB bei. Um einen besseren Überblick zu haben, stellten wir uns zu zehnt auf eine Parkbank, was das gemeinschaftliche Erlebnis natürlich unheimlich förderte. Kritik gabīs natürlich auch - kein Wunder, bei der Qualität die der österreichische Spielmannszug zu bieten hat.
![]() |
Der Spielmannszug beim Üben für das Wertungsmusizieren. |
Es scheint fast so, als würden wir einen Großteil des Turnfestes auf dem Augustusplatz erleben, denn am Abend fand eben dort die TuJu - Fete (Turnerjugend - Fete) statt, bei der sich eigentlich, wie der Name schon sagt, nur die "Jugend" einfand. Auch hier war die Stimmung wieder äußerst ausgelassen: Wir staunten, tanzten, sangen mit, waren voll Begeisterung und kamen dabei natürlich auch ganz schön ins Schwitzen. Als "Live-Act" kamen Rednex aus Schweden. Überraschender Weise endete die Feier trotz wirklich sehr guter Stimmung und dementsprechender Bereitschaft seitens des Publikums die Party zu verlängern, konsequenter Weise um 0:00 Uhr, vermutlich auch, um die Belastung für die Anrainer in Maßen zu halten.
Am Dienstag stand für die Spielleute die Bühnenwertung im berühmten Gewandhaus zu Leipzig im Mittelpunkt des Tagesgeschehens. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, in derart ehrenhaftem Ambiente musizieren zu dürfen. Unser musikalischer Leiter Volker Schöbitz konnte nun, so glaube ich, einen Teil der Früchte seiner schweißtreibenden Arbeit mit uns ernten. Auch wenn nicht alles einwandfrei klappte - es wäre durchaus noch ein geringes Ausbaupotential da - konnten wir dennnoch ein Bild unserer Gruppe darbringen. Für die Turnbrüder Hannes Fabschütz und mich ging es danach stressig gleich weiter zum DTB Wahl 4-Kampf. Weitere Turngeschwister, welche nicht beim musikalischen Teil mitwirkten, begannen damit schon früher. Z. B. Alfred Paris, der erst heute mit dem Zug nach einer arbeitsamen Studienwoche ankam.
Das Wetter war an diesem Tag herrlich, zumindest bis zum Abend. So war es wieder einmal eine wahre Freude, diverse Bewerbe an der frischen Luft gemütlich zu absolvieren. Das Geräteturnen fand in den Hallen des neuen Messegeländes statt, das wir schon am Sonntag zuvor besucht hatten, um dem Getümmel von Vorführungen, Ausstellungen, etc. zuzusehen. Die neue Messe hat eine sehr eindrucksvolle Architektur. Da möchte ich gleich die Gelegenheit nutzen, um mitzuteilen, dass Leipzig eine Stadt der krassen Gegensätze ist. Zumindest was die Gebäude anbelangt. Da gibt es in den Vororten Häuser, die offensichtlich seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr renoviert worden sind, statt dessen wurden in den 60-er Jahren riesige, vom Typus typisch für jene Zeit, errichtet. Auf der anderen Seite gibt es vor allem in der Altstadt viele sehr schöne alte Häuser, und seit der Wende hat sich auch einiges in Sachen moderner und zeitgemäßer Architektur getan. Auch die Geschichte Leipzigs ist sehr bewegt. Ich finde das sehr passend für eine Turnfeststadt. Es würde jedoch den Rahmen dieses ohnehin schon viel zu ausführlichen Berichtes sprengen, näher auf die Geschichte einzugehen.
Der Mittwoch war für viele von uns ganz dem Volleyball gewidmet. Wieder einmal herrschte eitel Sonnenschein und es war ein herrlicher Tag: Abwechselnd wurde gespielt, Schied gerichtet, im Schatten gesessen und geplaudert oder gelesen, angefeuert, mit Spritzpistolen die Körper gekühlt, Eis gegessen herumgelungert, beobachtet,..... Wie kann man seine Freizeit besser verbringen? Tja, wir waren zwar nicht unbedingt sehr erfolgreich, die moralischen Sieger waren wir jedoch allemal und viel mehr Spass als wir hatte wohl auch kaum eine andere Mannschaft. Möglicherweise gab es Mannschaften, bei denen es weniger Mitspieler Sonnenbrand in der Kniekehle hatten. Das halte ich persönlich jedoch für irrelevant.
![]() |
Die gemischte Volleyball-Mannschaft. |
Am Donnerstag fand der letze Bewerb dieses Turnfestes für die Klosterneuburger Turner statt, nämlich der Orientierungslauf, wo es angeblich schon fast daran scheiterte, den Start zu finden, aber möglicherweise wird das auch nur von bösen Zungen behauptet. Der Lauf ansich wurde von sämtlichen Mannschaften geradezu bravourös absolviert. Während sich also so mancher bei einem Lauf abstrudelte, begaben sich drei dubiose Gestalten auf den Weg zum Zoologischen Garten der Stadt Leipzig, wo schon am Tag zuvor zwei Schöbitze festgestellt hatten, dass der Eintritt für Wissende recht kostengünstig sein kann. Am Nachmittag wollte man sich zu einer gemeinsamen Besichtigung des Völkerschlacht - Denkmales treffen, das klappte jedoch nicht ganz und so wurde dieses Monument in kleineren Gruppen besichtigt. Darüber war der heilige Petrus offensichtlich sehr traurig. Aber schließlich sind wir ja nicht aus Zucker. Gegen Abend schwächten die Regengüsse bis zur völligen Trockenheit ab, sodass die Turnfestgala im noch nicht ganz fertiggestelltem Stadion stattfinden konnte. Das war eine wirklich sehr eindrucksvolle, bunte, abwechslungsreiche und niveauvolle Veranstaltung. Ich glaube, es ist schwer, so etwas zu beschreiben. Man muß das selbst erlebt haben.
![]() |
Die Turnfestgala war eine sehr farbenfrohe und abwechslungsreiche Veranstaltung. |
Der Freitag stand ganz im Zeichen des "durch-die-Stadt-Bummelns". Vom Kulturellen sahen wir uns die Altstadt, eine Turnfestausstellung, den Auerbachkeller (wo einst Faust auf Mephistopheles traf), den Naschmarkt und andere Sehenswürdigkeiten an.
Mittagsrast hielten wir bei einem iß-so-viel-wie-du-nur-kannst Pizza-Buffet ab, wo die animalischen Seiten der Turner erkannt werden konnten, was leichte Übelkeit nach sich zog, nicht zuletzt wegen des hohen Fettgehaltes der Pizzastücke. Dabei wurden wir extra zum langsam Essen erzogen, da für sämtliche Wartende (ca.15-20 Personen) nur alle 6,3 Minuten eine gesamte Pizza zur Verfügung gestellt wurde.
Ein Besuch beim Trampolin - Finale fiel leider ins Wasser, da es sich wider Erwarten um eine kartenpflichtige Veranstaltung handelte. Dafür gabīs, wie schon an so manchen gemütlichen Nachmittag, eine gemeinschaftliche Jause vorm Fuchs - Wohnwagen. Am Abend gingīs noch ein letztes Mal in die Stadt, wo wir vorerst im Löwen - Bräu speisten, was ja urgemütlich und unterhaltsam war - ein richtig gemeinschaftliches Erlebnis.
![]() |
Die Abschlussveranstaltung überraschte mit einem großartigen Feuerwerk. |
Danach gingīs zur Schlußveranstaltung am Augustusplatz. Neben verschiedenen Vorführungen, Danksprechungen und Verabschiedungen gab es ein ungeheuer eindrucksvolles und wunderschönes Feuerwerk, das uns hoffentlich, wie die gesamte Woche in ewig schöner Erinnerung bleiben wird.
Mit unserem freundlichem Turnergruß